Stadtplanung heißt: Entscheidungen für Jahre treffen. Problem: Mit der Zeit ändern sich architektonische Geschmäcker, Anforderungen an Bauten und Infrastruktur. Auf der Schäl Sick plagen sich Bürger und Planer mit architektonischen Altlasten vergangener Jahre.

Die Mülheimer Brücke
Sie war einmal der ganze Stolz Konrad Adenauers: „In leichten Bogen schwingt sich die Brücke von Ufer zu Ufer, gleichsam beflügelt, nicht mit Pfeilerwerk Strom und Schifffahrt hemmend“, freute sich der damalige Kölner Oberbürgermeister bei der Eröffnung im Oktober 1929. Zuvor hatte Adenauer den Bau der von ihm bevorzugten Hängebrücke im Rat durchgesetzt, obwohl die Mehrheit der Stadtverordneten ursprünglich eine kostengünstigere Bogenbrücke bevorzugt hatte.

Die Konstruktion der damals längsten Hängebrücke des europäischen Festlands erforderte Brückenköpfe weit in die Uferbereiche zu bauen. Der Brückenauffahrt fiel ein Teil des historischen Stadtzentrums von Mülheim zum Opfer. Die Brücke schneidet regelrecht in den Stadtteil hinein. “Das erschwert ein einheitliches Planungskonzept”, sagt Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamtes. Die Brücke soll ab 2015 generalsaniert werden. Kosten: etwa 40 Millionen Euro.

Bundeskanzler Konrad Adenauer überschreitet am 8. September 1951 mit Karl Arnold, Ministerpräsident von Nordrhein Westfalen, die wiederaufgebaute Mülheimer Brücke                     (Foto: Bundesarchiv Koblenz)

 

Fachhochschule Köln
Zu Beginn der 1970er Jahre gehörte die Fachhochschule zu den ersten in NRW. Ihr Gebäudekomplex in Deutz wurde 1978 fertiggestellt. Damals war die Modulbauweise in Kreuzform auf dem neusten Stand der Technik. Auch der Anstrich in weiß, blau und ocker galt als schick und modern.

Heute sehen viele in dem  sanierungsbedürftigen Bau einen unästhetischen Klotz. Außerdem ist das Gebäude für die wachsende Zahl der Studierenden auf Dauer zu klein. Die Fachhochschule will aus dem Gebäude ausziehen, die Stadt es am liebsten abreißen und an gleicher Stelle einen neuen Komplex errichten. Doch so einfach geht das nicht: Derzeit wird geprüft, ob die Fachhochschule unter Denkmalschutz gehört. Sollte sie auf der Denkmalschutzliste landen, kann der Bau nicht ohne weiteres abgerissen werden.

Das 1978 fertiggestellte Gebäude bietet für den Betrieb der Fachhochschule in Deutz nicht genug Platz (Foto: J. Kuper)

 

Parkcafé im Rheinpark

Am Parkcafé nagt mittlerweile seit Jahrzehnten der Rost © Martin Herzer

Am Parkcafé nagt mittlerweile seit Jahrzehnten der Rost (Foto: M. Herzer)

Bei der Bundesgartenschau 1957 gehörte das Parkcafé im Rheinpark zu den Attraktionen. Das für 1.200 Personen konzipierte Café glänzte mit architektonischer Eleganz und lockte jahrelang das Publikum: „Kaum ein Kölner, der dort noch nicht ein Stück Kuchen gegessen hat“, schrieb einst der Kölner Express.

Doch seit Mitte der 1970er Jahre steht das denkmalgeschützte Gebäude leer und gammelt vor sich hin. Die Stadt sucht nach einem privaten Investor, der das Café auf eigene Kosten wieder flott macht. Interessenten und Pläne gab es viele – doch bisher wollte niemand die Sanierungskosten auf sich nehmen.

 

Das Parkcafé im Rheinpark wurde für die Bundesgartenschau 1957 erbaut © Martin Herzer

Das Parkcafé im Rheinpark wurde für die Bundesgartenschau 1957 erbaut (Foto: M. Herzer)

KölnTriangle

Das Hochhaus KölnTriangle gesehen von der Hohenzollernbrücke © Raimond Spekking CC-BY-SA-3.0 Wikimedia Commons

Das Hochhaus KölnTriangle gesehen von der Hohenzollernbrücke (Foto: Raimond Spekking, CC-BY-SA-3.0 Wikimedia Commons)

Das KölnTriangle mit seiner öffentlich zugänglichen Top-Aussichsplattform schien schon während der Bauphase 2004 bis 2006 zu floppen: Die UNESCO drohte, den Kölner Dom von der Liste der Welterbestätten zu streichen, sollte das Triangle und weitere geplante Hochhäuser auf der rechten Rheinseite die Sicht auf den Dom versperren.

Der Bau des Triangle konnte zwar nicht mehr gestoppt, aber die Höhe auf 103,2 Meter begrenzt werden (der Dom ist 157,38 Meter hoch). Die anderen geplanten Hochhäuser wurden nicht oder deutlich kleiner gebaut, sodass der Triangle dem Dom jetzt allein von der rechten Seite aus entgegen trotzt. Ob er einmal zu einer “Altlast” in der Stadtsilhouette werden wird?