Hier in der RTL-Journalistenschule im Konferenzraum 3 wird getippt, geschnitten und ganz viel telefoniert. Die ersten JONAlisten sind fleißig dabei, ihren Nerdfaktor zu erhöhen und hantieren bereits mit vogelwilden Programmen, um interessante Daten zu visualisieren. Ich jedenfalls habe noch nicht einmal Daten – nicht gerade vielversprechend für ein Seminar zum Thema Datenjournalismus.

Meine Probleme: Mitarbeiter sind im Urlaub, Redaktionen möchten Geld für ihre Daten, die Kölner Polizei gibt keine Stadtteildaten ihrer Kriminalstatistik heraus, 50% der Personen, die ich erreichen möchte, gehen nicht an ihr Telefon, die anderen 50% sind “nicht zuständig” und überhaupt: “Es ist ja schon nach 15 Uhr, da rufen Sie lieber morgen wieder an.”

Fazit: Ein erfolgreicher Recherchetag sieht anders aus.

Zwischendurch habe ich Marie noch zu einem verwirrten Rentner begleitet, um Fotos für ihren Fotofilm zu knipsen, doch dazu kam es erst gar nicht. Statt uns von seinem Leben auf der rechten Rheinseite zu erzählen, präsentierte er uns ganz stolz seine selbstgebaute Fischreiher-Wasser-Spritz-Abwehranlage (für 90€ ), die Fischreiher ganz erfolgreich davon abhält, Goldfische aus seinem Gartenteich zu fressen.

Gerade kam auch noch die E-mail rein, dass das Rheinische Bildarchiv seine Bilder nicht umsonst zur Verfügung stellen möchte, sondern 50€ pro Bild verlangt – fabelhaft!

Nun gut, wir wären ja keine JONAlisten, wenn wir nicht höchstmotiviert weiterarbeiten würden. Ganz eventuell bekomme ich morgen früh dann endlich Daten zu allen rechtsrheinischen Gaststätten – und dann ist es hoffentlich auch einmal für mich an der Zeit, meinen Nerdfaktor zu erhöhen.