Gründer von offeneskoeln.de: Marian Steinbach (Foto: M. Schoft)

Marian Steinbach ist 35 Jahre alt, hat Design studiert und bezeichnet sich als “Interaction Designer”, Schwerpunkt: Daten-Visualisierungen. Als Open-Data-Aktivist gründete er im Februar 2012 das Portal offeneskoeln.de, das Nutzern ermöglicht, Dokumente aus dem Rats-Informationssystem zu durchsuchen und in Ratsprotokollen oder Anfragen der Fraktionen zu recherchieren. Wichtigstes Ziel: Visualisierungen, z.B. die Darstellung der Unfallschwerpunkte in Köln.

 

Daten sind doch eigentlich super langweilig – warum interessierst du dich dafür?
Mir geht es um Transparenz. Mein Gefühl ist: Der Staat ist mir Informationen schuldig, weil ich Steuergelder dafür bezahle. Zum Beispiel für die richtig teure Messung der Luftqualität. Die erhobenen Daten und die Menschen, die mit diesen arbeiten, werden von Steuergeldern bezahlt. Warum sollten nur bestimmte Menschen Zugriff auf diese Daten haben? Warum soll nicht jeder Daten ansehen und sich ein Bild davon machen können, wie sich zum Beispiel die Luftqualität entwickelt?

Und wie bist du dann auf das Thema “Daten-Visualisierungen” gestoßen?
Informationsdesign, also Dinge leicht verständlich darzustellen, war schon in meinem Design-Studium ein großes Thema. Irgendwann bin ich dann auf das Thema Daten-Visualisierung aufgesprungen und mir ist aufgefallen, dass es für die Fragen, die ich selbst beantwortet haben möchte, also zum Beispiel „Wie gut ist die Luft, die ich gerade atme?“, keine Daten gibt. Kein Download also in vernünftiger Qualität, als maschinenlesbare Datei oder mit eindeutigen Verwertungsrechten. So kann man sie nicht für Anwendungen nutzen. Und das hat mich auf das Thema “Open Data” gebracht, weil ich finde, dass sich etwas verändern muss.

Hat die Open-Data-Bewegung in Deutschland schon etwas bewirken können?
Wenn man nah dran ist und selbst an Projekten beteiligt, kann man schon das Gefühl bekommen, dass sich einiges tut. Das ist ein sehr subjektiver Eindruck, sozusagen die Mikroperspektive. Köln versucht zum Beispiel gerade, Open Data voranzubringen und hat nun einen Prototyp für ein Open-Data-Portal mit ein paar Downloads eingerichtet. Bonn und auch andere Städte werden gerade aktiv. Es gibt einen Fortschritt, der bei den meisten Menschen noch nicht angekommen ist. Vermutlich, weil die wenigsten mit dem Begriff “Open Data“ schon etwas anfangen oder gar die Mehrwerte nutzen können.

Was ist denn der Mehrwert von Open Data?
Ein Mehrwert ist zum Beispiel, dass Journalisten bestimmte Daten für Bürger anschaulich aufbereiten können. Und das schneller, einfacher, besser und auch vollständiger als es bisher der Fall war.

Im Fall von Wikileaks hat man gesehen, dass Veröffentlichung von Daten auch umstritten ist, gerade wenn es um Staatsgeheimnisse geht. Wie weit soll deiner Meinung nach Datentransparenz gehen? 
Die Grenze, die nicht nur ich, sondern auch die meisten Open-Data-Aktivisten sehen, ist der Schutz der Privatsphäre. Generell sind schützenswerte Rechte von Open Data ausgenommen. Wenn es bestehende Geheimhaltungspflichten gibt, sollen die auch berücksichtigt werden. Das ganze Thema Leaking und das Ausmaß von Transparenz ist eigentlich nicht meine Baustelle. Wenn die Daten, die keiner Geheimhaltungspflicht unterliegen, öffentlich werden, haben wir schon eine ganze Menge erreicht.

 

Gibt es denn genügend Journalisten in Deutschland, die mit all den frei zugänglichen Daten umgehen können?

Es gibt auf gar keinen Fall genügend Datenjournalisten. Die nennswerten Arbeiten, die es bisher gibt, kann man an einer Hand abzählen und wenn man dahinter guckt, wer die Sachen gemacht hat, dann sind das höchstens zehn Namen, die immer wieder auftauchen. Das ist eine sehr kleine Szene und da gibt es noch sehr viel Platz. Ich hoffe, dass mit den Bemühungen der Städte und Länder, die immer mehr auf Open Data setzen, auch mehr Gelegenheiten entstehen, die euch die Arbeit erleichtern und euch erst richtig auf den Geschmack bringen.