Noch ragen Industriehallen und Schornsteine in den Himmel, doch Friedrich Hamacher sieht auf seinem Grundstück in Mülheim schon jetzt Lofts mit Rheinblick. Außerdem Ateliers, in denen Künstler und Handwerker arbeiten – das ist Hamachers Vision. Sein Grundstück soll ein Ort für Kreative werden. Doch momentan qualmt und lärmt es noch auf einem Teil des Geländes. Die Firma Penox GmbH produziert hier vor allem Bleioxide für Batterien. Der Betrieb müsste verlagert werden, um Raum für Neues zu schaffen. Penox hält offiziell aber noch am Standort an der Deutz-Mülheimer Straße fest.

Von Theresa Authaler und Christina Schmitt

„Lifestyle, Gastronomie, Künstler“ – mit diesen Schlagworten beschreibt Hamacher, wie er sich sein Areal in Zukunft vorstellt. Diese Zukunft kommt aber erst, wenn Penox Vergangenheit ist. Das Industrieunternehmen pachtet etwa 40 Prozent des Areals, der Vertrag läuft noch bis 2015 und kann bis 2020 verlängert werden. Wie es danach weiter gehen soll, steht für Grundstücksbesitzer Hamacher fest: „Nach 2020 ist Penox nicht mehr hier.“

Das Gebiet, auf dem die Firma Penox produziert, liegt direkt am Rhein, nahe an der Innenstadt. Vor vier Jahren haben Hamacher und seine Söhne die Firma Lindgens und Söhne gekauft und mit ihr auch das Areal in der Deutz-Mülheimer Straße. Die Fabrik von Penox ist eine der letzten in dem einst industriell geprägten Stadtviertel. In den 1980er Jahren mussten viele Betriebe schließen, seither befindet sich Mülheim im Umbruch. Erste Künstler haben sich schon niedergelassen. „Und wenn die einmal da sind, ziehen andere nach“, hofft Hamacher.

Denis Doiseau, Geschäftsführer von Penox, beunruhigt das. Er möchte die Blei-Produktion in Köln nicht aufgeben. Eine Verlagerung des Standorts sei teuer, und Doiseau verweist darauf, dass auch die Stadt eigentlich ein Interesse daran haben sollte, die Arbeitsplätze zu erhalten. Er befürchtet, dass die Pläne der Verwaltung im Zusammenhang mit dem Projekt Mülheim 2020 und die damit einhergehende Gentrifizierung des Viertels die Industrie gänzlich vertreiben werde. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass einkommensstarke Gruppen in schicke Wohnungen mit Rheinblick ziehen und gleichzeitig akzeptieren, dass neben ihnen die Schwerindustrie produziert.“ Mit Blick auf die Pläne der Stadt zur Umstrukturierung des Viertels könnte Penox ein Steinchen im Schuh sein, das drückt.” 

Im Moment ist das Grundstück der Familie Hamacher teils ein Industrie- und teils ein Gewerbegebiet, ein GI/GE, wie es in der Amtssprache heißt. Wohnungen kann Bauingenieur Friedrich Hamacher dort aber erst bauen lassen, wenn der Stadtrat zustimmt, die Fläche in ein so genanntes MI, ein Mischgebiet, umzuwandeln. Nur dann ist es erlaubt, sowohl Wohnungen zu bauen als auch Gewerbe anzusiedeln. Penox-Geschäftsführer Doiseau bekräftigt, dass sein Verhältnis zur Stadt und zur Familie Hamacher „herzlich und offen“ sei, dennoch fühle er sich „ein wenig alleingelassen“.

Das Amt für Wirtschaftsförderung würde Penox jedoch gerne halten und lehnt eine Umwandlung in ein Mischgebiet ab. „Köln hat einen Mangel an Gewerbeflächen“, sagt Uwe Broda, der im Amt das rechtsrheinische Beratungsteam leitet. Es sei daher am besten, wenn das Areal ein reines Industriegebiet bleibe. Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamts, sieht das anders. „Wir wollen die Stadt stärker mischen, Wohnen und Arbeiten zusammenbringen“, sagt sie. Mit Schweridustrie, wie Penox sie betreibt, sei das schwierig.

Über kurz oder lang wird sich Doiseau wohl nach einem neuen Areal umsehen müssen. Stadtentwicklung und Schwerindustrie, das passt in Mülheim nicht mehr zusammen. Auch wenn Anne Luise Müller betont, dass Köln der Firma Penox vermutlich ein anderes Grundstück anbieten werde. Friedrich Hamacher würde das entgegenkommen. Wie das Areal nach Penox’ Umzug aussehen könnte, haben zwei Architekten für ihn bereits ausgearbeitet. Die Pläne liegen auf seinem Schreibtisch.