Facebook, Twitter und Co sind in der Politik angekommen: Die Bundeskanzlerin, viele Minister und Bundestagsabgeordnete nutzen sie als Werbe- oder Kontaktkanäle zu den Bürgern. Aber wie verbreitet ist das “Web 2.0″ unter den Kölner Stadträten? Wir haben ihre Internetaktivitäten einmal unter die Lupe genommen. 

Von Martin Herzer, Anastasia Offenberg, Christina Schmitt

Mehr als die Hälfte der Kölner Stadträte sind offenbar Internet-Muffel: Sie sind weder auf Facebook noch auf Twitter vertreten und betreiben auch keine eigene Internetseite. Richtig netzaffin sind lediglich vier Ratsmitglieder: Sie informieren die Kölner mit eigener Webseite, Facebook- und Twitter-Profil über ihre Arbeit. Immerhin knapp die Hälfte der Stadträte kommuniziert aber über mindestens einen der drei Kanäle – Facebook, Twitter oder Webseite.

Der beliebteste Kommunikationskanal der Stadträte ist Facebook. Über 35 Prozent von ihnen (32 von 91 Ratsmitgliedern) verfügen über eine persönliche Facebook-Seite, die öffentlich zugänglich ist. Dort können Bürger Posts lesen, eine persönliche Nachricht an die Abgeordneten senden oder sich durch das Fotoalbum des vergangenen Parteifests klicken.

Etwas mehr als jeder vierte Stadtrat betreibt eine eigene Homepage mit Informationen zur Person und politischen Positionen. Dagegen spielt Twitter nur eine untergeordnete Rolle: Lediglich 7 von 91 Ratsmitgliedern haben ein Twitter-Profil und zwitschern über ihre Aktivitäten.

Die Internetpräsenz der Stadträte variiert je nach Fraktion. Bei den beiden stärksten Fraktionen hat die CDU die Nase vorn: 56 Prozent der CDU-Ratsmitglieder (14 von 25) sind im Internet entweder mit Webseite und Facebook- und/oder Twitter-Profil präsent. Die SPD-Fraktion erreicht hier nur eine Quote von 42,3 Prozent (11 von 26).

Mit 40 Prozent Internetpräsenz bei der Grünen-Fraktion (8 von 20) und 44,4 Prozent bei der FDP-Fraktion (4 von 9) bewegen sich diese Parteien auf dem Niveau der SPD. Etwas aktiver ist die Linke mit 50 Prozent (2 von 4), deutlich aktiver dagegen die Rechte: Vier der fünf Pro-Köln-Abgeordneten sind im Netz vertreten.

Die Partei Deine Freunde erreicht auf unserer Übersicht zwar einen Wert von 100 Prozent, allerdings ist sie auch nur mit einer Person im Stadtrat vertreten – und die ist auch im Internet aktiv. Der einzige Vertreter der Freien Wähler verfügt über keine Internetpräsenz.

Netzpräsenz der Mitglieder der Parteien im Stadtrat: Anteil der Abgeordneten mit Netzpräsenz in jeder Partei in Prozent

Fast alle im Stadtrat vertretenen Parteien betreiben Webseiten, Facebook-Seiten und Twitter-Profile, die für die Gesamtheit ihrer Abgeordneten sprechen. Auf Facebook erfreut sich die Seite der SPD-Fraktion mit 561 “‘Gefällt mir”-Angaben der größten Beliebtheit, direkt gefolgt von der Partei Deine Freunde mit 506 und den Grünen mit 446 “Gefällt mir”-Angaben.

Auf Twitter sind die Grünen und Deine Freunde ebenfalls führend. Den Tweets der Grünen folgen über 1.300 “Follower”, denen von Deine Freunde über 800. Mit deutlicher Distanz auf den Plätzen drei und vier landen die SPD mit 331 und die CDU mit 215.

 

Auswertungsmethode:

Als im Internet präsent galt in unserer Untersuchung ein Stadtratsmitglied, das entweder eine persönliche Webseite, eine öffentlich zugängliche Facebook-Seite oder einen Twitter-Profil betreibt. Wegen Überarbeitung oder anders unzugängliche Webseiten wurden nicht “gewertet”.

Damit eine Facebook-Seite als öffentlich zugänglich galt, musste sie für diese Untersuchung über ein Profilbild, zugängliche Informationen zur Person, Fotos und eine Pinnwand verfügen, außerdem die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und regelmäßige Aktualisierungen bieten.

Twitter-Profile haben wir ebenfalls nur erfasst, wenn dort regelmäßig Nachrichten veröffentlicht wurden.