Das IWZ der Fachhochschule ist sanierungsbedürftig und zu klein. Hochschule, Stadt und Eigentümer möchten einen Großteil des Gebäudes am liebsten abreißen und neu bauen. Dagegen wehrt sich der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. Er hält das Gebäude für denkmalschutzwürdig. Eine Entscheidung ist erst einmal nicht in Sicht.

Der frühere Kölner Konservator Ulrich Krings engagiert sich für den Denkmalschutz (Foto: K. Geupel)

Von Julian Kuper und Marc Patzwald

Ulrich Krings war 14 Jahre lang leitender Stadtkonservator in Köln und ist Pensionär. Als Vorstandsmitglied des Regionalverbands Köln des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. engagiert er sich jetzt gegen den Abriss der Fachhochschule. Die Kölner Gruppe hat rund 300, der Verband insgesamt an die 5.000 Mitglieder. “Nach Meinung vieler Experten handelt es sich bei der FH um einen charakteristischen Bau der Bildungsexpansion der 70er Jahre”, sagt Krings. Deswegen solle das Ingenieurwissenschaftliche Zentrum (IWZ) lieber saniert als abgerissen werden. Auch wenn die Fachhochschule anderen Universitäten im Ruhrgebiet ähnlich sehe, sei sie doch etwas Besonderes: “In der Gotik sind die Kathedralen zunächst einmal auch ähnlich. Aber kein Mensch würde heute sagen, da es in Paris so etwas gibt, muss man den Kölner Dom abreißen.” Zudem habe es in Deutz sogar eine “städtebauliche Anpassung an den Standort” gegeben.

Das sieht die Leiterin des Kölner Stadtplanungsamts, Anne Luise Müller, ganz anders: “Die FH in Deutz wendet sich architektonisch betrachtet regelrecht von der Stadt ab.” Es wäre eine “immense Behinderung” für die Entwicklung der FH, sollte das IWZ unter Denkmalschutz gestellt werden. Ein Abriss und anschließender Neubau würde dadurch erheblich erschwert. “Wenn die beteiligten Ministerien in Düsseldorf sich gegen den Abriss entscheiden, würde man den Mehrheitsinteressen widersprechen und eine Entscheidung für eine Minderheit treffen”, sagt Müller. Sollte das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden, würde die FH einen neuen Standort suchen und das Gebäude leer stehen, da ist sich Müller sicher. “Kommt es dazu, falle ich aber vom Glauben ab.”

Die Studenten am IWZ sind über das Thema Neubau unterschiedlicher Meinung. Einige sprechen sich für einen Abriss des “todhässlichen Dings” aus, andere fänden auch eine Sanierung in Ordnung. Doch die FH hat bereits erklärt, dass es nicht möglich sei, gleichzeitig Studenten zu unterrichten und das Gebäude zu sanieren. Das könne 15 Jahre dauern.

 

Das 1978 fertiggestellte Gebäude der Fachhochschule in Deutz bietet heute den Studenten keinen ausreichenden Platz mehr (Foto: J. Kuper)

Bis Ende November läuft noch ein Wettbewerb, bei dem Architekten Entwürfe für einen Neubau eingereicht haben. Ist ein Entwurf ausgewählt, könnte er rein theoretisch schnell umgesetzt werden, da der Bauherr ausschließlich der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW ist. Es braucht somit keinen zusätzlichen Investor, der das Projekt umsetzt. Allerdings beraten parallel zum Wettbewerb das nordrhein-westfälische Wissenschafts-, Finanz- und Bauministerium über den Denkmalschutz. Eine Frist für eine Entscheidung gibt es nicht. Denn selbst wenn das Gebäude unter Denkmalschutz komme – abgerissen werden kann es trotzdem. Der Grund muss dann ein “besonders hohes öffentliches Interesse” sein. Und darüber entscheidet in letzter Instanz: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.